Über Robotik und Künstliche Intelligenz lässt sich viel lesen, in Fachartikeln, Studien oder Produktbroschüren. Doch wirklich verstehen lässt sich das Potenzial dieser Technologien erst, wenn man ihnen live gegenübersteht: wenn ein autonomer Roboter tatsächlich seine Runde dreht, wenn Sensorik in Echtzeit reagiert, wenn man mit den Menschen sprechen kann, die diese Systeme täglich einsetzen.
Genau diese Erfahrung boten auch die Innovation Days 2026, die vom 9. bis 11. Juni wie jedes Jahr in Leipzig stattfanden. Unter dem Motto „Vernetzte Robotik – neue Möglichkeiten erkennen“ kamen Besucherinnen und Besucher aus Sicherheitswirtschaft, Industrie, Logistik und KRITIS zusammen, um aktuelle Technologien im realen Einsatz kennenzulernen.
Herausforderungen gemeinsam lösen
Die Sicherheitsbranche sieht sich mit einer großen Herausforderung konfrontiert: dem Fachkräftemangel. Gleichzeitig erfolgt eine Steigerung der Anforderungen an Betreiber Kritischer Infrastrukturen (KRITIS), Industrieunternehmen und Sicherheitsdienstleister. Themen wie Resilienz, der Schutz kritischer Prozesse und die Umsetzung neuer regulatorischer Anforderungen, insbesondere im Zuge der NIS2-Richtlinie, rücken dabei zunehmend in den Fokus.
Für die Sicherstellung einer widerstandsfähigen Sicherheitsorganisation sind klassische Bewachungskonzepte heute nicht mehr ausreichend. Gefragt sind intelligente, vernetzte Lösungen, die bestehende Sicherheitsprozesse ergänzen, Risiken frühzeitig erkennen und Mitarbeitende gezielt entlasten.
Genau hier setzen die Innovation Days 2026 an: Sie zeigten, wie Robotik, KI und intelligente Vernetzung bestehende Teams unterstützen, Prozesse effizienter gestalten und Sicherheitslücken schließen können, nicht als Ersatz des Menschen, sondern als sinnvolle Ergänzung.
Sicherheitslösungen live erleben
Die Innovation Days 2026 boten den Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit, moderne Sicherheits- und Inspektionsrobotik nicht nur kennenzulernen, sondern unmittelbar zu erleben. Auf dem gesamten Veranstaltungsgelände präsentierten die Expertinnen und Experten von Security Robotics sowie die Technologiepartner ihre Lösungen an thematisch aufgebauten Ausstellungsständen. Ob autonome Bodenroboter, Drohnensysteme oder intelligente Softwarelösungen sämtliche Technologien konnten im Live-Betrieb erlebt und gemeinsam mit den jeweiligen Spezialisten anhand konkreter Einsatzszenarien diskutiert werden.
Parallel zu den Fachvorträgen boten die Ausstellungsflächen Raum für persönliche Gespräche mit Anwendern, Integratoren und Sicherheitsverantwortlichen. Dabei standen nicht einzelne Produkte im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie sich Robotik, Künstliche Intelligenz und vernetzte Systeme sinnvoll in bestehende Arbeits- und Sicherheitsprozesse integrieren lassen von der automatisierten Sicherheitsüberwachung über Inspektionsaufgaben bis hin zu Predictive-Maintenance-Anwendungen. Die Kombination aus Live-Demonstrationen, Fachwissen und direktem Austausch machte die Innovation Days erneut zu einer praxisnahen Plattform für Wissenstransfer und Networking. Welche Technologien die Besucher während der Innovation Days im Detail kennenlernen konnten, zeigt der folgende Überblick.
Live vor Ort: Die gezeigten Systeme
Im Mittelpunkt der Live-Demonstrationen standen vier autonome Systeme, die unterschiedliche Einsatzbereiche moderner Sicherheitsrobotik abdecken von der mobilen Bodenpatrouille bis zur Luftüberwachung.
SPOT von Boston Dynamics
Ist ein autonomer, vierbeiniger Laufroboter für den Innen- und Außeneinsatz. Mit seiner hochentwickelten Sensorik, 360°-Kameratechnik und hohen Geländegängigkeit unterstützt er Sicherheitskräfte bei Patrouillen, Inspektionen und der Alarmverifizierung – auch in anspruchsvollem Terrain
GO2 von Unitree Robotics
Ein agiler, vierbeiniger Bodenroboter für Patrouillen, Inspektionen und die Alarmverifizierung. Ausgestattet mit 4D-LiDAR, Weitwinkelkamera und GPS navigiert er sicher auch in anspruchsvollem Gelände und liefert HD-Livebilder sowie Sensordaten in Echtzeit – für eine effiziente Unterstützung moderner Sicherheitsprozesse.
ARGUS von SMP Robotics
Autonomer, radgetriebener Patrouillenroboter für die Überwachung großer Außenbereiche und Perimeter. Mit 360°-Kameratechnik, Thermalsicht, KI-gestützter Objekterkennung und hoher Geländegängigkeit führt er autonome Kontrollfahrten durch und liefert Kamera- sowie Sensordaten in Echtzeit – auch bei anspruchsvollen Wetterbedingungen.
BEEHIVE von Sunflower Labs
Ein autonomes Drohnensystem zur Luftüberwachung von Sicherheitsarealen. Mit Echtzeit-Videostreaming, intelligenter Videoanalyse und optionaler Thermalkamera führt es automatische Flugpatrouillen durch, verifiziert Alarme aus der Luft und liefert hochauflösende Bilddaten – bei Tag und Nacht.
Die gezeigten Robotersysteme verdeutlichten die Vielfalt moderner Sicherheitsrobotik von autonomen Bodenpatrouillen bis hin zur Luftüberwachung. Ihr volles Potenzial entfalten sie jedoch erst durch die intelligente Vernetzung aller Systeme. Genau hierfür präsentierte Security Robotics auf den Innovation Days auch die eigenen Software- und Vernetzungslösungen.
Intelligente Vernetzung als Schlüssel
ACUDA (Autonomous Center of Unified Digital Actors)
Verbindet Robotersysteme, Kameras, Sensorik und weitere Sicherheitskomponenten zu einer zentralen Plattform. Informationen werden in Echtzeit zusammengeführt, ausgewertet und für Alarmierungen sowie operative Entscheidungen bereitgestellt. So entsteht ein vernetztes Sicherheitskonzept, das bestehende Infrastrukturen intelligent ergänzt.
OMNILIZER
Ein KI-gestütztes Analytics-Modul zur intelligenten Auswertung von Sensor- und Bilddaten. Der Omnilizer erkennt Auffälligkeiten und Anomalien in Echtzeit, verarbeitet Informationen direkt am Gerät (Edge-Analyse) und ermöglicht schnelle sowie präzise Entscheidungen. Durch die Zusammenführung unterschiedlicher Datenquellen macht er Robotersysteme und Kameralösungen intelligenter, leistungsfähiger und flexibler im Einsatz.
NUCRON
Nucron fungiert als IoT-Injektor und integriert klassische Geräte wie Kameras, Schranken oder Zutrittskontrollen nahtlos in moderne Sicherheitsarchitekturen. Es ermöglicht die sichere Vernetzung bestehender Kundenökosysteme mit Robotik- und KI-Lösungen, ohne die Trennung der Netzwerke aufzuheben. So wird vorhandene Infrastruktur zukunftsfähig erweitert.
Gemeinsam verdeutlichten die vorgestellten Robotersysteme und digitalen Lösungen, dass moderne Sicherheitskonzepte erst durch das Zusammenspiel von Robotik, intelligenter Datenverarbeitung und vernetzter Infrastruktur entstehen. Genau diese ganzheitliche Betrachtung zog sich wie ein roter Faden durch die Innovation Days 2026.
Fachvorträge mit Praxisbezug
Neben den Live-Demonstrationen boten die Innovation Days 2026 ein vielseitiges Vortragsprogramm. Expertinnen und Experten aus Verwaltung, Sicherheitswirtschaft und Industrie beleuchteten aktuelle Herausforderungen, technologische Entwicklungen und Erfahrungen aus der Praxis. Im Mittelpunkt standen resiliente Sicherheitskonzepte, der Einsatz Künstlicher Intelligenz sowie die Integration autonomer Systeme in bestehende Sicherheitsprozesse.
Resiliente Kommunikation
Den offiziellen Auftakt der Innovation Days 2026 übernahm Keynote-Speaker Timon Dischmann von der Digital City Unit des Dezernats für Wirtschaft, Arbeit und Digitales der Stadt Leipzig. In seinem Vortrag „Notfallbox – Autarke Kommunikations- und Informationssysteme für Krisensituationen“ stellte er ein auf OpenWrt basierendes System vor, das bei Ausfällen der öffentlichen Kommunikationsinfrastruktur ein lokales WLAN-Netzwerk mit Informationsportal bereitstellt.
Der Vortrag verdeutlichte, wie wichtig belastbare Kommunikationsstrukturen für den Einsatz vernetzter autonomer Sicherheitssysteme sind insbesondere in Krisensituationen.
Dischmanns Vortrag lieferte damit den passenden Rahmen für die folgenden drei Tage: Sicherheit entsteht nicht durch ein einzelnes System, sondern durch das Zusammenspiel robuster Infrastruktur, intelligenter Technik und vorausschauender Planung.
Robotik und moderne Sicherheitskonzepte
Im Anschluss stellte Aleksej Tokarev, Geschäftsführer von Security Robotics, die aktuellen Herausforderungen der Sicherheitsbranche in den Mittelpunkt. Fachkräftemangel an Betreiber kritischer Infrastrukturen sowie der Wunsch nach höherer Effizienz stellen Unternehmen zunehmend vor komplexe Aufgaben. Anhand konkreter Praxisbeispiele zeigte er, wie autonome mobile Sicherheitsroboter, intelligente Sensorik, KI-gestützte Analysen und vernetzte Plattformen bereits heute dazu beitragen können, Sicherheitsprozesse zu optimieren und bestehende Teams wirkungsvoll zu unterstützen.
Bereits nach den ersten Vorträgen entwickelte sich ein intensiver fachlicher Austausch zwischen Besuchern, Partnern und Experten. Zahlreiche Gespräche machten deutlich, dass die Nachfrage nach innovativen Sicherheitslösungen und zukunftsfähigen Konzepten weiterhin wächst.
KI in der Logistik
Mit Konstantin Freuer, Kriminalkommissar a.D. und Security Experte Logistik, sowie Tobias Metz, Solution Support & Development Manager bei Securitas Deutschland, konnten die Besucher zwei Referenten erleben, die sowohl die klassische Sicherheitswelt als auch moderne technologische Lösungsansätze aus erster Hand kennen.
Konstantin Freuer widmete sich in seiner Keynote dem Thema „KI in der Logistik-Security – Chancen und Risiken„. Dabei zeigte er auf, welche Herausforderungen moderne Logistikstandorte und Sicherheitsorganisationen heute bewältigen müssen und welche Rolle Künstliche Intelligenz künftig bei der Unterstützung von Sicherheitsprozessen spielen kann. Neben den Potenzialen wurden auch die Grenzen und Risiken neuer Technologien diskutiert und eingeordnet.
Erfahrungen aus der Praxis
Darüber hinaus zeigte Tobias Metz spannende Einblicke in die Zusammenarbeit zwischen Security Robotics und Securitas Deutschland. Anhand konkreter Praxisbeispiele zeichnete er die Entwicklung von den ersten gemeinsamen Pilotprojekten bis hin zu den heutigen Einsatzszenarien nach.
Besonders im Fokus stand dabei das Zusammenspiel von klassischen Sicherheitsdienstleistungen und modernen Technologien wie autonomen mobilen Sicherheitsrobotern, Drohnensystemen und KI-gestützter Videoanalyse. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den wirtschaftlichen Aspekten moderner Sicherheitskonzepte: Anhand konkreter Kalkulationsbeispiele wurde deutlich, dass der gezielte Einsatz autonomer Systeme nicht nur die Qualität und Verfügbarkeit von Sicherheitsleistungen erhöhen, sondern gleichzeitig auch langfristige wirtschaftliche Vorteile bieten kann.
Die Vorträge wurden von zahlreichen Gesprächen begleitet. Viele Besucher nutzten anschließend die Gelegenheit, die vorgestellten Technologien gemeinsam mit den Expertinnen und Experten an den Ausstellungsständen im Detail kennenzulernen und konkrete Anwendungsszenarien zu diskutieren.
Begleitend dazu zeigten SPOT, GO2, BEE und ARGUS an allen drei Veranstaltungstagen im Live-Betrieb, wie diese Zusammenarbeit in der Praxis aussieht.
Auch am Ausstellerstand von Accellence Technologies entwickelte sich ein intensiver fachlicher Austausch. Im Mittelpunkt standen moderne Videomanagement– und Leitstellenlösungen sowie deren Integration in autonome Sicherheitssysteme. Besucher nutzten die Gelegenheit, sich über bestehende Integrationsmöglichkeiten zu informieren und gemeinsam mit den Experten konkrete Anwendungsszenarien zu diskutieren.
Fazit
Die Innovation Days 2026 haben erneut gezeigt, dass autonome Robotik, Künstliche Intelligenz und intelligente Vernetzung längst fester Bestandteil moderner Sicherheitskonzepte sind. Im Mittelpunkt standen dabei nicht einzelne Produkte, sondern das Zusammenspiel aus Robotersystemen, Software und Menschen. Die Live-Demonstrationen, Fachvorträge und Gespräche mit Anwendern und Partnern machten deutlich, wie integrierte Sicherheitslösungen bereits heute dazu beitragen, Prozesse effizienter zu gestalten und Sicherheitskräfte gezielt zu unterstützen. Der intensive Austausch während der Veranstaltung unterstrich zugleich den hohen Stellenwert gemeinsamer Innovationen für die Zukunft der Sicherheitsbranche.
Dank
Ein besonderer Dank gilt unseren Referenten, Partnern und Unterstützern sowie unserem Team die mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung zum Erfolg der Innovation Days 2026 beigetragen haben. Stellvertretend möchten wir uns bei Timon Dischmann, Konstantin Freuer und Tobias Metz für ihre spannenden Vorträge bedanken.
Ebenso bedanken wir uns bei unserem Aussteller Accellence Technologies sowie Mario Seidel und Björn Windemuth für die interessanten Einblicke und den fachlichen Austausch während der Veranstaltung.
Besonders gefreut hat uns auch das Interesse unserer jüngsten Besucher. Denn Innovation beginnt mit Neugier und vielleicht befanden sich unter unseren Gästen bereits die Ingenieure, Entwickler und Robotikexperten von morgen